Kredit und Inflationsrate
Inflationsrate sollte bei der Kreditberechnung berücksichtigt werden ...
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat zur Explosion der Staatsverschuldung in vielen Ländern geführt. Durch Konjunkturprogramme und Steuerausfälle haben sich die Haushaltsdefizite in den meisten Staaten deutlich ausgeweitet. Dass diese Schulden nicht auf normalem Wege abgetragen werden können, dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein. Daher häufen sich die Stimmen von Experten, die in der nahen Zukunft von einer starken Inflation ausgehen. Mit Inflationsraten im hohen einstelligen prozentualen Bereich in den großen Industrienationen rechnen mittlerweile viele Experten.
Für Sparer und Anleger ist die Inflation ein Schreckgespenst, da angesparte Barvermögen an Kaufkraft verlieren. Viele Anleger schichten daher massiv Vermögenswerte in Sachwerte um, um einer Inflation zuvorzukommen. Gelassener sehen sich die vielen Schuldner und Kreditnehmer in Deutschland mit der Inflation konfrontiert. Durch die rasant ansteigenden Preise kommt eine so genannte inflationäre Preisspirale in Gang, sodass auch die Löhne und Gehälter früher oder später steigen werden. Je schneller sich diese Spirale beschleunigt, desto höher ist der Anteil des Kreditbetrags, der durch die Inflation finanziert wird - so die Theorie.
In der Praxis stellt sich die Situation aber wesentlich komplexer dar.
In Zeiten, in denen die Inflation sich ausweitet, steigen in der Regel auch die Leitzinsen und somit die Zinsen für Kredite. Wer nicht über einen festverzinslichen Kredit verfügt, der leidet so früher oder später unter einer steigenden Zinsbelastung, wenn die Bank die Zinsen für den Kredit erhöht. Davon betroffen sind zum Beispiel Dispositionskredite, Kreditkartenschulden und auch Langzeitkredite wie Baufinanzierungen, sofern keine Zinsbindungsfrist besteht, die vor einer Zinserhöhung schützt. Durch die ansteigenden Zinsen kann Entlastung, die durch Lohn- und Gehaltssteigerungen herbeigeführt wird, schnell kompensiert oder sogar überkompensiert werden.
Ebenfalls belastend wirkt die Tatsache, dass in der Inflation meist auch die Preise für Lebensmittel und andere Güter des alltäglichen Bedarfs ansteigen. Hier kommt es meist sogar zu einem überproportionalen Anstieg, sodass prozentual weniger Einkommen für die Schuldentilgung zur Verfügung steht. Dieses Phänomen wirkt in der Regel besonders belastend, da oft ein Großteil des Einkommens für derartige Ausgaben anfällt.
Auf die Frage, ob Inflation sich nun vor- oder nachteilig für die Kreditnehmer auswirkt, gibt es also keine pauschale Antwort. Vielmehr hängt es vom Einzelfall ab, ob jemand von den inflationären Effekten profitiert oder nicht. Eine große Rolle spielt dabei auch, welche Bereiche von Inflation betroffen sind. Insgesamt kann eine ausgeprägte Inflation sicherlich zu einer eher schnelleren Entschuldung führen, wenn die Einkommensverhältnisse stimmen. Allerdings steht der Entschuldung durch Inflation auch immer ein Verlust von Wohlstand und Kaufkraft gegenüber. Erfahrungsgemäß steigen die Konsumpreise nämlich schneller als die Löhne und Gehälter, sodass es folgerichtig zu einem Kaufkraftverlust kommt. In dieser Situation sind viele Menschen finanziell gar nicht mehr dazu in der Lage, ihre Schulden überhaupt noch zu tilgen. Dies betrifft vor allem verschuldete Geringverdiener, die ohnehin schon einen großen Teil des Einkommens für den Konsum ausgeben müssen. (er)
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