Spielräume bei flexiblen Zahlungszielen nutzen
Lieferantenkredit als Handelskredit ...
Neben den ganz offensichtlichen Krediten, wie zum Beispiel dem Immobilienkredit oder dem Ratenkredit, gibt es auch eine Reihe von „versteckten“ Krediten, die man auch als Verbraucher mitunter gar nicht bewusst wahrnimmt. Denn im Grunde stellt jedes Zahlungsziel eine Art von Kredit dar, weil der Käufer einer Ware diese dann nicht sofort bei Erhalt zahlen muss, sondern erst Wochen später. So ist es zum Beispiel fast immer so, dass man bei Lieferung einer Ware eine Rechnung mit einem Zahlungsziel von zwei Wochen eingeräumt bekommt.
Streng genommen bekommt man vom Verkäufer der Waren also einen Kredit für diese zwei Wochen, auch wenn dabei natürlich kein Geld fließt, wie es bei einem „echten“ Kredit der Fall ist. Unter Geschäftspartnern sind diese Zahlungsziele Praxis und dort wird dann auch der Begriff des Handelskredites bzw. des Lieferantenkredites verwendet. Ein Handelskredit wird auch als Lieferantenkredit bezeichnet und kommt im Grunde bei nahezu jedem Geschäft zwischen Geschäftspartnern zustande, im Rahmen dessen der eine Teil Waren liefert und der andere Teil den Kaufpreis für diese Waren zu zahlen hat. Der Lieferantenkredit ist im Prinzip ein Zahlungsziel, welches der Verkäufer dem Käufer einräumt.
Somit muss der Käufer die Waren also nicht sofort nach dem Erhalt zahlen, sondern er kann mit der Zahlung zwei Wochen oder auch zwei Monate warten, je nachdem, welches Zahlungsziel genau vereinbart worden ist. Für die meisten Käufer ist dieser Lieferantenkredit enorm wichtig und kann mitunter sogar die Existenz sichern. Warum ist das so? Angenommen, der Inhaber einer Boutique kauft regelmäßig Waren in größerer Menge vom Großhändler ein. Dieser Großhändler und Lieferant der Waren räumt nun dem Käufer ein Zahlungsziel von beispielsweise einem Monat ein. Somit hat der Käufer im Grunde einen Monat lang die Möglichkeit, die gekauften Waren seinerseits wiederum an den Endkunden zu verkaufen, und mit dem erhaltenen Geld dann den Einkauf beim Großhändler zu zahlen.
Gäbe es kein Zahlungsziel, könnten die erhaltenen Waren eventuell gar nicht bezahlt werden, der Einkäufer müsste also praktisch stets in Vorkasse treten bzw. einen Kredit bei der Bank zum Kauf der Waren aufnehmen. Auf der anderen Seite tritt natürlich beim Lieferantenkredit der Lieferant unter Umständen in Vorkasse, sofern er die Waren zahlen muss, weil er diese selbst von einem anderen Lieferanten bekommen hat. Daher verknüpfen die meisten Lieferanten das Zahlungsziel auch mit einem Skonto. Wenn der Käufer das Zahlungsziel dann nicht in Anspruch nimmt sondern innerhalb von wenigen Tagen zahlt, bekommt er einen Preisnachlass (Skonto) von beispielsweise drei Prozent. Das Skonto soll also ein Anreiz für den Käufer sein, den Lieferantenkredit nicht zu nutzen. (er)
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