Kauf auf Raten
Vorsicht vor Überschuldung bei exzessivem Ratenkauf ...
Kredite aufzunehmen ist heute etwas ganz selbstverständliches, egal für welchen Zweck. Dies führte jedoch zu einer Überschuldungswelle in Deutschland - betroffen sind Hunderttausende Bürger. Wann liegt aber eine Überschuldung vor? Im Gesetz zur privaten Insolvenz heißt es: "Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner auf Dauer nicht mehr in der Lage ist, Forderungen mit seinem Vermögen oder zu erwartendem Einkommen zu begleichen."
Über 80 Prozent der Überschuldungsfälle liegen Ratenkredite zugrunde, die vielleicht bei der Kreditaufnahme noch verantwortbar waren, aber durch verschiedenste negative Einflüsse zum großen Problem wurden. Nur bei etwa 13 Prozent der Kreditnehmer hätte klar sein müssen, dass eine Überschuldung droht. Grund sind oft die hohen versteckten Kosten, die dann entstehen, wenn man nicht weiß, dass alleine der effektive Jahreszins die nötige Aussagekraft über die Kreditkosten hat.
Wo aber liegen die Gründe? Zu verführerisch sind oft die Zahlungsbedingungen von Versandhäusern oder auch reinen Internetfirmen, aber auch Autohändlern, die niedrigste Zinsen versprechen und gar die ersten sechs Monate ohne Rückzahlung anbieten.
Kritisch wird es vor allem dann, wenn man gleichzeitig mehrere Ratenkredite laufen und den Überblick verloren hat. Deshalb muss die erste Konsequenz sein, dass man systematisch seine dringendsten Bedürfnisse ermittelt und nur Zug um Zug weitere Anschaffungen tätigt. Man muss in den meisten Fällen nicht alles sofort besitzen.
Am aller wichtigsten ist jedoch eine genaue Prüfung seiner Einnahmen und Ausgaben, beginnend mit den monatlich anfallenden Kosten wie Miete und Strom usw., aber auch die normalen Lebenshaltungskosten sind zu berücksichtigen. Und die Kinder nicht vergessen, die ständig Material für die Schule brauchen. Stellt man sich eine solche Liste zusammen, dann kann man genau ermitteln, was für eine eventuelle Ratenzahlung noch bleibt, ohne dass man in finanzielle Schwierigkeiten kommt. Schließt man einen Ratenvertrag ab, muss man auch überlegen, ob eine Versicherung, die Arbeitslosigkeit oder Unfallfolgen abdeckt, nicht sinnvoll ist.
Ein weiteres Kriterium muss aber sein, ob die gewünschte Ware wirklich in dieser Preisklasse notwendig ist. Ein Beispiel: In einem Prospekt wird ein Flachbildschirm von 2000 Euro zu „günstigen“ Raten mit einer Laufzeit von 24 Monaten in Höhe von 94 Euro angeboten. Das hört sich nicht viel an, aber der effektive Jahreszins liegt bei über 13 Prozent. Hätte man einen Kreditvergleich gemacht, wären Angebote mit 4,8 Prozent keine Ausnahme. Die grundsätzliche Frage ist jedoch, ob es unbedingt ein Flachbildschirm sein muss oder ob ein traditionelles Röhrengerät nicht doch ausreichend ist. Die Preise sind in der Regel so günstig, dass eine Barzahlung durchaus möglich ist. Dieses Beispiel ist speziell auch für den Autokauf wichtig. Ein kleineres Auto zeigt nach außen hin, dass man sehr umweltbewusst ist. Es gilt jedoch zu prüfen, inwieweit man sein Auto einsetzt. Braucht man es überwiegend für Stadtfahrten oder für längere Fahrten an seinen Arbeitsplatz, und die Statusfrage verliert sowieso immer mehr an Bedeutung.
Der Grundstein für den Umgang mit Geld muss eigentlich schon in der Schule vermittelt werden, um schon Kindern die notwendige Finanzkompetenz zu vermitteln (Handyschulden).
Wer sich in den Fallstricken seiner Ratenkredite verstrickt hat, sollte sich nicht scheuen eine Schuldnerberatung aufzusuchen. Schon oft genug hat man hier eine machbare Lösung gefunden, und zwar bevor man in die private Insolvenz muss. (er)
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