Entschuldung durch Privatinsolvenz

– Wege und Möglichkeiten seine Schulden zu verringern und abzubauen

Damit Privatpersonen nicht während ihres gesamten Lebens durch Altschulden belastet bleiben, hat der Gesetzgeber die Möglichkeit zur Privatinsolvenz geschaffen. Der Begriff Entschuldung ist insoweit zutreffend, als dass der Schuldner nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens nicht mehr zur Begleichung der Schulden verpflichtet ist und der Schuldner diese als uneinbringlich ausbucht. Von wenigen Menschen ist bekannt, dass sich ihre finanzielle Situation nach dem Ende des Verfahrens deutlich gebessert hat und sie freiwillige spätere Rückzahlungen leisteten.

Vor Beginn des Privatinsolvenz-Verfahrens ist ein Schuldenbereinigungsplan aufzustellen, anhand dessen mit allen Schuldnern ein Einigungsversuch unternommen wird. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass so gut wie nie alle Schuldner einem solchen Plan zustimmen, so dass die Durchführung des gesetzlichen Verfahrens zur Entschuldung erforderlich wird. Beim Verbraucherinsolvenzverfahren wird zunächst eventuell vorhandenes pfändbares Vermögen des Zahlungspflichtigen verwertet, der Verkaufserlös wird auf die Gläubiger verteilt. In der Folgezeit wird der pfändbare Teil des Einkommen an den vom Gericht bestellten Treuhänder übergeben und durch diesen an die Gläubiger des insolventen Verbrauchers verteilt. Nach einer Gesamtdauer von sechs Jahren, welche mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens beginnt, spricht das Gericht eine Restschuldbefreiung aus. Unabhängig von dieser können die Kosten des Verfahrens weitere vier Jahre eingetrieben werden, sofern das Einkommen die Pfändungsfreigrenze übersteigt.

Bei der Schufa bleibt ein Eintrag über das durchgeführte Entschuldungsverfahren drei Jahre nach dessen Beendigung bestehen. In der Praxis erfolgen in den meisten Fällen während der Wohlverhaltensphase keine Zahlungen an die Gläubiger, da das vom Schuldner erzielte Einkommen die Pfändungsfreigrenze nicht erreicht. Die Kosten für eine Verbraucherinsolvenz belaufen sich im Durchschnitt auf etwa 1700 Euro. Der Zahlungspflichtige hat Anspruch auf die Erteilung eines Beratungsscheines und muss für die anwaltliche Beratung lediglich einen Betrag von zehn Euro als Eigenanteil bezahlen. Damit die Entschuldung tatsächlich eintritt, muss der Schuldner mehrere Bedingungen erfüllen. Zunächst wird kein Verfahren zur Verbraucherinsolvenz eröffnet, wenn der Schuldenstand durch widerrechtliche Maßnahmen begründet wurde.

Hierzu zählt nicht zuletzt die Erschleichung eines Kredits durch absichtlich falsche Angaben im Darlehensantrag ebenso wie unwahre Angaben in der Steuererklärung. Die Verbraucherinsolvenz gilt eigentlich nicht für aktuell oder unmittelbar vor ihrer Eröffnung selbstständig oder freiberuflich tätige Antragsteller. Diese können jedoch von der Möglichkeit zur Privatinsolvenz Gebrauch machen, wenn sich ihre Verpflichtungen auf maximal zwanzig Gläubiger aufteilen, unter welchen sich keine ehemaligen Angestellten mit aus dem Beschäftigungsverhältnis resultierenden Ansprüchen befinden dürfen. Während der Phase der Abtretung des pfändbaren Einkommens an den Treuhänder muss der Schuldner jedes zusätzliche Einkommen melden. Wenn er dieser Pflicht nicht vollständig nachkommt, gilt die Privatinsolvenz als gescheitert und alle Forderungen müssen vollständig beglichen werden. (er)

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