Risikoklassen und Anlegerschutz

– Dokumentierte Beratungsgespräche zu Geldanlagen

Da private Anleger so gut wie immer über geringeres Wissen als Banken und Finanzdienstleister verfügen, bedürfen sie eines besonderen Schutzes vor unüberlegten und falschen Entscheidungen. Ein wichtiger Bestandteil des Anliegerschutzes besteht in der Ermittlung der persönlichen Risikobereitschaft. Wenn der Depot-Kunde später Geschäfte tätigt, welche seine Risikostufe übersteigen, wird er auf diese Tatsache hingewiesen und muss seine Kaufbereitschaft gesondert bestätigen.

Der Anlegerschutz durch die Wahl der zutreffenden Risikoklasse ist als eher gering einzustufen, zumal der Anleger diese nach Belieben ändern kann. Wesentlich wirksamer ist die Pflicht zur Dokumentation von Gesprächen mit der Bank. Anhand des Gesprächsprotokolls kann nachvollzogen werden, ob der Geldberater den Kunden korrekt über eventuelle Gefahren seiner Anlageentscheidungen beraten hat. Ein solches Protokoll muss nach jedem Gespräch über Geldanlagen ausgestellt werden. Aus der Beratung ergibt sich eine sehr strenge Haftung des Finanzberaters. Ansprüche gegen diesen können aber nur erfolgreich durchgesetzt werden, wenn er über eine ausreichende Betriebshaftpflichtversicherung verfügt. Bei der Beratung in einer Bank kann vom Vorhandensein einer entsprechenden Absicherung ausgegangen werden; wer sich für die Dienste eines privaten Finanzberaters entscheidet, sollte ihn nach einer entsprechenden Versicherung fragen.

Der Hinweis auf eine bestehende Haftpflichtversicherung in den Geschäftsunterlagen oder in Form eines Aushanges in den Geschäftsräumen des Beraters ist zugleich ein deutlicher Hinweis auf dessen Seriosität. Zwingender Inhalt der Beratung ist die deutliche Nennung aller mit der Anlage verbundenen Risiken; des Weiteren müssen alle Kosten transparent vermittelt werden. Die genannte Gewinnerwartung muss realistisch sein. Es ist wichtig, dass der Klient das Beratungsprotokoll sorgfältig liest und prüft, ob alle relevanten Gesprächsinhalte in diesem aufgeführt werden und ob die schriftlichen Angaben den Äußerungen während des Gespräches entsprechen. Weitere wesentliche Elemente des Anlegerschutzes bestehen in der Pflicht zur Veröffentlichung von Ad-hoc-Meldungen. Bei diesen handelt es sich um Informationen über Tatsachen, welche sich vermutlich auf den Aktienkurs auswirken.

Weitere Regeln zum Anlegerschutz der Aktionäre beziehen sich darauf, dass jede Aktie exakt einem Stimmrecht in der Hauptversammlung entspricht und dass eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden muss, wenn eine zehn Prozent der Stimmrechte nicht übersteigen dürfende festgelegte Anzahl von Aktionären diese verlangt. Des Weiteren dürfen keine Aktionäre von der Hauptversammlung , bei welcher die Teilnahme an der Abstimmung auch ohne körperliche Anwesenheit gewährleistet werden muss, ausgeschlossen werden, Auch das vorrangige Bezugsrecht neuer Anteilsscheine bei einer Kapitalerhöhung stellt einen Bestandteil des Anlegerschutzes bei Aktien dar. Bei eigentlich nicht riskanten Anlagen wie einem Sparbuch, dem Festgeld oder dem Tagesgeld sind ebenfalls Regeln für den Anlegerschutz getroffen worden, von welchen die Information über die bestehende Einlagensicherung am wichtigsten ist. (er)

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