Risikoprämie und Risikoklassen beim Aktienhandel bewerten

– Welches Risiko sichert die Risikoprämie bei Aktien ab?

Bei einer Anlage in Aktien bestehen grundsätzlich zwei Risiken, welche als systematisches und als unsystematisches Risiko bezeichnet werden. Während das unsystematische Risiko vom Anleger durch die Verteilung seines Aktienbesitzes auf unterschiedliche Firmen und Branchen ausgeschaltet oder maßgeblich reduziert werden kann, bezieht sich das systematische Risiko auf die Kursentwicklung auf dem Aktienmarkt insgesamt.

Da der Anleger sein unsystematisches Risiko eigenverantwortlich reduzieren kann, beschränkt sich die Risikoprämie bei Aktien auf das systematische Risiko. Die Aufteilung zwischen beiden Risikoarten ist jedoch eher ein wirtschaftstheoretisches Modell als eine Abbildung der Realität. In der Praxis prüfen die meisten Anleger einzelne Aktien auf ihr Verhältnis zwischen dem möglichen Ertrag und dem Verlustrisiko, so dass die verlangte Risikoprämie bei im DAX notierten Papieren deutlich geringer ausfällt als die bei riskanten Aktien erwartete. Die Wirtschaftskrise des Jahres 2010 hat diesen Sachverhalt deutlich verschärft und Börsengänge erschwert, da bei neuen Titeln eine Risikoprämie in einer nicht realisierbaren Höhe erwartet wurde.

Der Anleger erwartet eine Risikoprämie für den Erwerb von Aktien, da diese Anlageform keinen sicher bezifferbaren Ertrag abwirft, während festverzinsliche Wertpapiere einen eindeutig definierten Zinsgewinn erbringen. Die Höhe der erwarteten Risikoprämie richtet sich nach dem Risiko der Anlage. Bei der Betrachtung des mittels der Anlage in Aktien erzielbaren Gewinns sind neben den wahrscheinlichen Wertsteigerungen auch die jährlichen Dividenden anzurechnen, bei Anlagen in ausländischen Papieren müssen eventuelle Veränderungen im Wechselkurs ebenfalls einbezogen werden.

Als statistische Größe gibt die Aktien Risikoprämie an, welchen wahrscheinlichen Mehrwert der risikoscheue Anleger erwartet, damit er sein Geld in Aktien und nicht in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Somit stellt die Risikoprämie den Anreiz dar, mit dessen Hilfe Anleger an Aktien oder Aktienfonds herangeführt werden. Eine weitere Verwendung des Begriffs Risikoprämie bezieht sich auf die nachträgliche Berechnung des Mehrertrages der betrachteten Aktien gegenüber den verglichenen festverzinslichen Wertpapieren. Bei einer langfristigen Betrachtungsweise zeigt sich, dass Aktien gegenüber festverzinslichen Titeln nahezu immer einen besseren Ertrag einbringen und somit eine Risikoprämie zahlen.

Bei der nachträglichen Berechnung der Risikoprämie werden in der Praxis selten einzelne Aktien betrachtet, üblich ist die Einteilung der Papiere in Gruppen, welche durch einen Index gebildet werden können. Dabei zeigt sich, dass die tatsächlich gezahlte Risikoprämie in den letzten Jahren sehr hoch gewesen ist. Dieser Sachverhalt begründet sich nicht zuletzt durch die bei längerfristiger Sicht sehr positive Entwicklung auf dem Aktienmarkt. (er)

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